Die Vorteile und Nachteile
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Vor- und Nachteile einer Mädchenschule

12 Jahre Schulbank gedrückt bis zum Abitur, 2001 – 2013, davon 2005 – 2010 

davon 5 Jahre Mädchenschule. Wie viele mich bisher bereits gefragt haben und sich gewundert haben, dass sowas noch existiert.

Deutschlandweit gibt es derzeit 126 Mädchenschulen (Stand August 2018). Von Realschulen, Gymnasium, Hauptschule mit/oder ohne Ganztagsunterricht bis hin zu Internat, Berufsfachschule. Von staatlich, privat oder staatlich kirchlich gefördert. 

Vorteile

  1. Zusätzliche besondere Schulfächer, die es in gemischten Schulen nicht gibt. Wie zum Beispiel: Häkeln, Theater, Gesang, Popchor, Orchester

  2. Deine Kreativität wird gefördert und teilweise gezahlt.

  3. Viele verschiedene Schwerpunkte von Ganztagsklassen, Halbtagsklassen 

  4. Breitgefächerte Arbeitsgemeinschaften (AGs) nach der regulären Schulzeit 

  5. relativ ruhig und ordentlich

  6. falls es eine kirchliche Schule ist, wird das Christentum ein wenig praktiziert in Form von Gottesdiensten, Beten vor dem Unterricht oder vor dem Mittagsessen (kann auch ein Nachteil sein, wenn man nicht so gläubig ist – wie ich)

Nachteile

  1. Kontakt zu Jungs/Männern wird sehr abgehoben als würde man einen Promi treffen
  2. Gruppenzwang von Kleidung, Musikrichtung bis hin zu Handys
  3. Zickenkrieg, abhängig von der Klassenzusammenstellung 
  4. In der Mittelstufe zunehmend Leistungsdruck
  5. alle sind gleich Eindruck
  6. Vorurteile von anderen Schulen
  7. siehe bei Vorteil Punkt 6.)

Meine persönliche Erfahrung 

Die Mädchenschule war für mich wirklich nur als Entfaltungsmöglichkeit ideal. Ich konnte mich im Bereich Musik besser entfalten. Querflöte spielen, Teil eines Orchesters zu sein. Dazu kam dazu noch die Leidenschaft zum Singen. Mehrere Auftritte nicht nur im Theater, sondern auch bei Schulfesten, regelmäßige Proben. Mein Gesangsunterricht wurde auch von der Schule teils finanziert, was ich bis heute total dankbar bin.

Ab in einem gewissen Punkt und zwar in der Mittelstufe wurde der Gruppenzwang für mich größer. Es kristallisierten sich Grüppchen. Ich war damals absolut null selbstbewusst und hatte so Angst mich zu melden. Ungern habe ich die Hausaufgaben vorgelesen um nicht vor der Klasse bloß zu stellen. Ich traute mich nicht, da die Energie. Ich wollte auch nicht groß auffallen. Ich war immer die kleine süße neutrale Kim, die auf keiner Seite stand und sich an jeden anpasste. Gleichzeitig wurde ich in Sport auch immer als letzte dran genommen, wenn um Teams ging und auch war ich nach außen hin für andere nicht besonders talentiert, weil ich es nie nach aussen tragen konnte.  Ruhig und schüchtern. Das ist typisch Kim. So ist sie halt. 

Auch bei Geburtstagen oder Treffen wurde ich selten mal gefragt, ob ich dabei sein sollte. Witzigerweise dachte ich mir, was stimmt nicht mit mir. Von 800 Schülern damals auf der gesamten Mädchenschule war ich die einzige Asiatin und Vietnamesin. Ich fiel im Unterricht sofort auf, wenn ich mich nie gemeldet habe. Dennoch wollte ich überall dazugehören. Aber es funktionierte nie. Ich habe Sport gehasst und das einzige was mir gefiel war zu singen, Klavier zu spielen. Die melancholische Art eben. Für Jungs war ich auch ziemlich unscheinbar. Und durch die Mädchenschule verstärkte sich meine Zurückhaltende Haltung auch weiter gegenüber den Jungs, denn ich war weder blond, gut geschminkt, Partygänger noch Holister oder ZARA Fan. Ich war eben einfach anders. Irgendwie und dachte mit mir stimmte, was nicht. 

Eine kleine Clique hatte ich doch irgendwie fühlte ich mich nicht so richtig ICH. Teils hatte ich auch falsche Freunde außerhalb der Schule, trotz allem habe ich noch nie gekifft, geraucht oder Alkohol getrunken. Ich hatte mich strikt dafür entschieden. Demnach passte ich so gar nicht in die Klasse, die fast alle gefühlte Mitläufer waren. 

Identitätsprobleme – aber das ist eine andere Geschichte. 

Der Leistungsdruck und Einsamkeit, Ziellosigkeit wuchs bis zur  9. Klasse.

Eine damalige Freundin mich darauf aufmerksam machte, dass die Möglichkeit besteht nach der Mittelstufe in die andere Oberstufe auf ein gemischtes berufliches Gymnasium zu wechseln. Und die Chance habe ich ergriffen.

Sommer 2010 

Neue Schule neues Glück, schwupps – veränderte sich mein Leben erneut um 180 Grad ins Extreme. Von 5 Jahre Mädchenschule auf 3 Jahre reine Männerklasse. Hier geht meine Story weiter. 

Fazit

Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob er auf eine Mädchenschule gehen möchte oder nicht. Ich hatte zum Beispiel nie Probleme mit Jungs. Ich verstand mich mit ihnen super. Doch wenn man zu 90% des Tages sich nur mit Mädchen umgibt und zuhause man nur seine Eltern und einen kleinen Bruder hat, verändert sich zumal in einer Mädchenschule die Geisteshaltung gegenüber Jungs. Das ist kaum auszuschließen. Gerade wenn man keinerlei Freizeit hat.

Die Frage ist natürlich auch, möchte man die Vorteile einer Mädchenschule nutzen oder nicht.

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